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Welche Rahmenbedingungen für Heimtests müssen nach Meinung des RapidTests Teams erfüllt sein?

  
  
Posted 5 months ago
Edited 5 months ago
  
  

Dies ist eine "historische" Frage aus unserer FAQ vom Dezember 2020.

RapidTests Team   5 months ago Report
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Antwort mit Stand Dezember 2020 (weit vor Zulassung der ersten Selbsttests)

Als Rahmenbediungen sehen wir vor Einführung der Heimtests:

  • Öffentliche, breite und eindeutig verständliche Kommunikation darüber, dass..

    • Antigentests einen schnellen Screening-Test darstellen, der auf Infektiosität (Ansteckungsfähigkeit) testet, wozu diese gerade aufgrund ihrer (im Vergleich zum PCR-Test) geringeren Sensitivität (Antigentests erkennen hauptsächlich hohe Viruslasten) ideal geeignet sind (siehe unten). ➡ Betonung der Schnelligkeit und des Vorteils der geringeren Sensitivität in Puncto Infektiosität

    • Antigentests eine zusätzliche Maßnahme (“Käsescheibe”), also keinen Ersatz z.B. für die AHA+AL-Formel (und den PCR-Test) bilden! ➡ Prävention “falscher Sicherheit”, ohne diese als Gegenargument zu bringen, da sich das Konzept der “Risikokompensation” bei anderen Public-Health-Maßnahmen (z.B. Mund-Nasen-Schutz) als nicht zutreffend erwiesen hat und dem Erfolg der Maßnahme sogar schaden kann

    • Antigentests so in breiter, idealerweise regelmäßiger Anwendung ein wichtiges Werkzeug zur Eindämmung der Pandemie und zur Normalisierung des gesellschaftlichen Lebens darstellen. → Betonung des Nutzens der Maßnahme

    • ein negativer Test nur eine Momentaufnahme für maximal einen Tag darstellt, da man sich zum Testzeitpunkt kurz vor der ansteckenden Phase befinden könnte, wo die Viruslast exponentiell zunimmt, aber noch knapp unter der Nachweisgrenze des Schnelltests liegt. ➡ daher weiter AHA+AL

    • eben nicht ein einzelner negativer Test, sondern bei regelmäßiger, breiter Anwendung die positiven Tests und die umgehende/konsequente Selbstisolation (siehe unten) der positiv Getesteten zur Normalisierung des gesellschaftlichen Lebens führen können -> Erklärung des Weges zum Erfolg der Maßnahme ➡ es geht nicht um das klassische “Freitesten”, der Kommunikationsschwerpunkt muss auf der Identifikation der Hochinfektiösen liegen

    • es falsch-negative (ca. 5% bezogen auf infektiöse Personen und ein Test; siehe unten) und falsch-positive Ergebnisse (≤0,5%; siehe unten) geben wird. ➡ Stichwort Erwartungsmanagement. Es ist zu überlegen, ob man den Selbsttest eher als “Risikoschätzer für Infektiosität” bewirbt, der einem bei einem negativen Ergebnis ein "niedriges Risiko", ansteckend zu sein, anzeigt, aber eben keine Entwarnung gibt (daher weiter AHA+AL). Umgekehrt zeigt ein positives Ergebnis ein "hohes Risiko" an, wodurch man eine dringende Warnung erhält, möglichst jegliche Kontakte zu meiden, die man ohne Test nicht erhalten hätte. Der Test diente demnach einer Risikoeinschätzung, ähnlich der Corona-Warn-App, wobei beim Schnelltest das Ergebnis direkter und eindeutiger ist.

    • ein Schnelltest aber gar nicht perfekt sein muss, wenn er als zusätzliche Maßnahme angewandt wird, da er aufgrund seiner Schnelligkeit (und ggf. Regelmäßigkeit) durch die frühzeitige Erkennung/Isolation Infektiöser epidemiologisch wertvoller ist als ein ggf. wegen fehlenden/minimalen Symptomen ausbleibender/nicht indizierter (Dunkelziffer) oder i.d.R. verzögerter (hochsensitiver) PCR-Test (PCR-Ergebnis meist erst an Tag 4 nach Symptombeginn, wo man kaum noch infektiös ist). Sprich: Es können mit Schnelltests mehr und schneller Infektiöse entdeckt werden als ohne. Oder anders gesagt: Es kommt nicht primär auf die klinische/analytische Sensitivität eines einzelnen Tests an, sondern vielmehr auf die Public-Health-Sensitivität bzw. Sensitivität der gesamten Teststrategie, das heißt, die Frage darf nicht lauten “Wie gut kann ein Test Moleküle in einer einzelnen Probe detektieren?”, sondern muss lauten “Wie viele Infektiöse und wie schnell werden diese durch die gesamte (durch Heimtests erweiterte) Teststrategie erkannt?” ➡ Der Grundsatz muss lauten: “Perfection is the enemy of the good when it comes to emergency management. Speed trumps perfection. The greatest error is not to move. The greatest error is to be paralyzed by the fear of failure.” (Dr. Ryan, WHO, 14.03.20)

  • Eine verständliche und veranschaulichende Anleitung zur Test-Anwendung und Test-Auswertung: Zum Beispiel videobasiert (on demand) und schriftlich mit Fotos. Zusätzlich 24/7-Kontaktmöglichkeit (z.B. via Hotline, Textchat, Videochat) für etwaige Fragen z.B. zur Anwendung und Auswertung (vgl. Ciesek et al.), evtl. mit Live-Begleitung/-Demo per Videochat. Unabhängig davon könnten eine Beratung und Live-Demos in der Hausarztpaxis oder Apotheke angeboten werden.

  • Abgabeort: Es ist zu überlegen, ob man die Selbsttests anfangs nur über Apotheken, wo eine Beratungsmöglichkeit bestünde, veräußert. Nur unter den o.g. Bedingungen (aufklärende Kommunikation + eindeutige Anleitung + Kontaktmöglichkeit) fänden wir auch eine Abgabe z.B. im Drogeriemarkt vertretbar.

  • Bei einem positiven Antigen-Heimtest:

    • Meldepflicht? Da sind wir grundsätzlich offen. Unserer Einschätzung nach wird es wahrscheinlich wie beim HIV-Selbsttest keine Meldepflicht für Privatpersonen geben. Das hielten wir für vertretbar, weil durch Heimtests in breiter Anwendung mehr infizierte Personen erkannt und so insgesamt wahrscheinlich mehr Fälle durch den (telefonischen) Kontakt zum Hausarzt/zur Hausärztin, zum kassenärztlichen Bereitschaftsdienst oder dem Gesundheitsamt gemeldet werden würden als ohne Heimtests - vor allem, wenn man bedenkt, dass ein durchgeführter Selbsttest wahrscheinlich die Absicht des Eigen- und Fremdschutzes impliziert. Übrigens ist aktuell (Stand Dez. 2020) bei leichten respiratorischen Symptomen mit einigen Ausnahmen keine PCR mehr indiziert ist, so dass auch hier keine Meldung mehr an die Gesundheitsämter erfolgt. Es ist vorstellbar, dass ein positiver Selbsttest - wie bei einer Warnung über die Corona-Warn-App - bei Vorliegen von Symptomen (unabhängig von deren Schwere) einen vom Arzt/von der Ärztin zu meldenden Verdachtsfall darstellt.

    • Recht auf PCR-Bestätigung? Da sind wir grundsätzlich offen. Laut Gottschalk et al. “sollte die PCR zur Bestätigung [eines positiven Antigentests] – außerhalb des Gesundheitswesen – auf Resultate bei systemrelevanten Zusammenkünften [z.B. Schulklassen] beschränkt werden”. Laut Paul et al. erscheint eine PCR-Bestätigung eines positiven Antigentests [i]m ambulanten Setting, unter strikter Einhaltung einer häuslichen Absonderung und vor dem Hintergrund begrenzter Laborkapazitäten [...] nur begrenzt sinnvoll”. Auch unter Berücksichtigung, dass die praktische Spezifität für die bei uns überwiegend erhältlichen/genutzten Antigentests meist bei ca. 99,9% (0,1% Falschpositive) liegt (siehe unten) und dass aktuell (Stand Dez. 2020) ein PCR-Test sowieso u.a. bei schweren respiratorischen Symptomen, bei Geschmacks- und Geruchsverlust und bei Risikogruppen, Gesundheitspersonal, Personen mit vielen Kontakten (z.B. Lehrer:innen) bzw. mit Kontakten zu Risikogruppen auch unabhängig von der Schwere der respiratorischen Symptome indiziert ist, wäre das für uns vertretbar. Je nach Inzidenz und je nachdem, wie viele Heimtests am Tag durchgeführt werden würden, könnte es sogar zu einer Entlastung der PCR-Kapazitäten (Stand KW51 2020: Ca. 2 Mio./Woche) kommen, weil durch Schnelltests viele der sonst negativen PCR-Ergebnisse (bis KW50 2020 im Schnitt über 95% der PCR-Ergebnisse) wegfielen (fachlich: Der positive prädiktive Wert für den PCR-Test würde ggf. zunehmen). Denn ein negativer Antigentest ist bei frühen (milden) Symptomen zu ca. 97-98% korrekt und ein zweiter negativer Antigentest am nächsten Tag würde COVID-19 nahezu ausschließen, so dass (bei keiner Symptomverschlechterung) kein PCR-Test mehr notwendig wäre. Die eingesparten PCR-Tests könnten also ggf. für die Bestätigung positiver Heimtests genutzt werden. In jedem Fall halten wir es für sinnvoll, v.a. anfangs, stichprobenartig positive Antigentests per PCR-Test und damit deren Reliabilität zu überprüfen (auch wenn es jetzt schon bzw. vor Einführung der Heimtests unabhängige Validierungsstudien und Praxiserfahrungen gibt).

    • Ggf. Lohnentschädigung? Das wäre selbstredend wünschenswert. Sofern man nicht zu den ca. 17-20% der Asymptomatischen gehört, sollten die Symptome i.d.R. 1-2 Tage nach dem positiven Antigentest eintreten, sofern diese zum Testzeitpunkt noch nicht vorhanden sind. In dem Fall würde man sowieso aktuell (bis vorerst 31.03.2021) auch bei leichten Symptomen eine AU-Bescheinigung telefonisch für bis zu 7 Tage vom Hausarzt/von der Hausärztin erhalten, sofern es einem nicht möglich ist, im Home Office zu arbeiten. Über technische Lösungen ließe sich eventuell auch der Zeitpunkt eines positiven Tests (für die Lohnentschädigung) festhalten/übermitteln. Selbst wenn es für die ggf. asymptomatischen Tage keine Lohnentschädigung gäbe, glauben wir, dass sich positiv Getestete automatisch vorsichtiger verhalten würden als ohne ein positives Ergebnis.

    • Umgehende Selbstisolation

  
  
Posted 5 months ago
Edited 5 months ago
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5 months ago
5 months ago
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